Bereits 2 Stunden vor dem Start parkte ich mein Auto in der Nähe des Starts am schönen Baldeneysee. Im Hotel gab es bereits zu einer läuferfreundlichen Zeit um 6.30 Uhr Frühstück und so konnte ich zeitig genug Richtung See aufbrechen. Ich war nervöser als sonst, denn vom Ausgang dieses Marathons würde abhängen, ob ich nach dem alles andere als optimalen Jahr 2009 noch mit einem guten Gefühl in die Regenerationsphase gehen würde. Bereits auf dem Weg herunter zum Zielbereich, wo ich unter anderem auf Meister Greif, Robert und ‚2:39‘ warten wollte, spürte ich, dass die körperlichen Probleme des Vortages trotz aller Bemühungen nicht verschwunden waren. Eher das Gegenteil war der Fall. Glücklicherweise traf Peter relativ zeitig ein und wischte meine Zweifel zunächst einmal in seiner bekannt "feinfühligen Art" vom Tisch. Die Schmerzen wurde dadurch nicht geringer, aber die Hoffnung, dass sie im Rennen verschwinden könnten, etwas größer. Kurz vorher hatte ich schon Gelegenheit mit
Andreas Menz, der die Moderation des Marathons übernommen hatte, ein paar Worte zu wechseln. Nachdem die Truppe endlich eingetroffen war, vergingen die Minuten bis zum Start wie im Fluge. Auch noch im Startbereich traf ich an jeder Ecke auf irgendein bekanntes und gut gelauntes Gesicht. Schon seltsam, da fährt man 240km nach Essen und fühlt sich dort wohler und heimischer als in Mainz beim Gutenberg-Marathon. Eine Erkenntnis, die ich bei der anstehenden Planung fürs nächste Jahr vielleicht berücksichtigen sollte.
Der Start lief perfekt ab. Aus der zweiten Reihe heraus konnte man sofort frei laufen und sein Tempo finden. Mein Erstziel hatte ich spätestens nach Ankunft vor Ort auf realistische sub 2:45 festgelegt. Zwar gaben die Trainingswerte zuletzt mehr her. Doch die fehlende Wettkampfpraxis – keinen einzigen Halbmarathon im Jahr 2009 und eine 36:50 als Bestzeit auf 10km – sprachen eine andere Sprache. Bei km 1 stand dann Peter und rief mir eine 3:50 zu. Einen Tick zu schnell, aber das sollte sich schnell ändern. Relativ gleichmäßig gingen die ersten 5km in etwa 19:30 weg und bei km 10 zeigte die Uhr eine niedrige 39. Ich hatte mich inzwischen mit drei anderen Läufern zu einer kleinen Gruppe zusammen gefunden, die bis kurz nach der Halbmarathonmarke halten sollte. Die erreichten wir in 1:22:09, also etwas zu früh für einen ganz gleichmäßigen Lauf. Peter tauchte auf seinem Rad immer mal wieder neben uns auf und machte mir Mut. Eine weitere Radbegleiterin pendelte zwischen unserer Gruppe und weiteren Läufern und motivierte uns alle gleichermaßen, was zur angenehmen Stimmung der Veranstaltung passte. Aus dem Bauch heraus erhöhte ich nun das Tempo etwas und sprengte damit auch die Gruppe. Doch so sehr die Beine laufen wollten, mein Magen reagierte just in dieser Phase zum ersten Mal etwas nervös auf ein zugeführtes Getränk. Dies sollte sich noch zweimal auf den nächsten 10km wiederholen. Einmal war ich in Gedanken schon in einem der am Wegesrand reichlich vorhandenen Büsche, hielt aber durch - ein deutliches Signal, dass der in Mainz völlig fehlende Biss an diesem Tag vorhanden war. Erst als ich zur erfreulicherweise angebotenen Cola griff, ging es besser. Die 30km-Marke erreichte ich dennoch – jetzt allein laufend – in knapp unter 1:57, also noch im Plan. Inzwischen hatte ich sogar schon mehrere Positionen gut gemacht. Nach der Hälfte etwa auch Rang 40 liegend arbeitete ich mich schrittweise nach vorn, am Ende auf Platz 28, nachdem ich selbst noch von zwei Läufern passiert worden war. In der Phase verlor ich auch die fast schon sicher geglaubte 2:44er-Zeit aus den Augen. Einige Sekunden gingen flöten, als sich der Magen-Darm-Bereich meldete, einige ganz entscheidende dann kurz vor km 40. In einer kleinen Kurve trat ich mit dem linken Bein etwas ungeschickt auf und das Knie gab nach. Nichts wildes, aber doch genug, um den ersten Kilometer des Rennens wirklich deutlich über 4 Minuten zu laufen. Noch gab ich nicht auf und kämpfte mich an einen weiteren Läufer heran, der mit Radbegleitung unterwegs war. Der Begleiter gelang es dann, seinen Athleten nochmals zu motivieren, sodass der nochmals kontern konnte. Dem hatte ich dann nichts mehr entgegen zu setzen. Der letzte Kilometer direkt am See gegen den auffrischenden Wind nahm wir dann etwas die Moral und schnell waren weitere Sekunden verloren. Insgesamt 41 zu viel, um die 2:45 zu unterbieten.
Der Zieleinlauf war dann aber nur noch Freude pur. Andreas, der die 24 Stunden zuvor begonnene Vorgeschichte kannte, bereitete mir wie allen anderen vor und nach mir einen überaus freundlichen Empfang, wie ich ihn schon länger nicht mehr erleben durfte. So nahm ein überaus holpriges Jahr 2009 ein doch versöhnliches Ende. Im dritten ‚Versuch‘ klappte es endlich einmal mit einem Start in Essen und es war sicher nicht mein letzter Besuch am See. Dazu hat es mir einfach zu gut gefallen. Leider musste ich sofort nach dem Zieleinlauf die Heimreise antreten, weil mein Sohn seinen 7. Geburtstag feierte. Und ich hatte nun einmal versprochen, spätestens um 16 Uhr wieder zu Hause zu sein......